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Rufus
Beck exklusiv im neuen HÖRkulino: Deutschlands
"Mister Hörbuch" über Kinder, epische
Soundtracks und seine neusten Hörbücher
Das
ist der Hammer in diesem Herbst: 300.000
Ex. des neuen Hörbuch-Ratgebers für Kinder und Jugendliche
puschen
eines der erfolgreichsten Marktsegmente im Buchhandel!
Der kleine, aber inhaltsreiche Eltern-Hörbuchratgeber
für Kids stellt auf 32 Seiten ca. 60
Kinderhörbücher vor, ist der Herbstausgabe
des Special-Interest-Magazins HörBuch
sowie LOOK, dem EXTRA zum Kundenmagazin buchSzene,
beigeklebt – und mitten drin ein Exklusivinterview
mit dem Harry Potter des Hörbuchs, dem populären
Film- und Theaterschauspieler Rufus Beck.
Der Bwd9-Redakteur Jörg Steinleiter sprach mit ihm über
seine Arbeit:
HÖRkulino:
Herr Beck, kaum ein Schauspieler macht mehr Hörbücher
als Sie. Man kann Sie ohne Übertreibung als "Mister
Hörbuch" des deutschsprachigen Raums bezeichnen.
Haben Sie darauf gezielt hingearbeitet?
Rufus Beck:
Nein, das hat sich so ergeben. Zufall. Oder Schicksal. Aber
da ist es natürlich wie beim Fußball: Wenn man
keine Chance hat, kann man auch kein Tor machen. Für
mich waren die Harry Potter-Hörbücher die große
Chance. Aber ich habe mich nicht darauf ausgeruht, sondern
das Genre weiter entwickelt.
HÖRkulino:
Harry Potter, Meg Finn, die Lemony Snicket-Romane und
der Kleine Nick, um nur einige ihrer aktuellen Neuerscheinungen
zu nennen, sind alles Kinder-Hörbücher. Worauf legen
Sie Wert, wenn Sie ein Hörbuch für Kinder einspielen?
Rufus Beck:
Es darf nie onkelhaft sein. Gute Kinderliteratur versucht
nicht klüger als die Kinder zu sein. Meine Hörbücher
sind im Grunde genommen für das Kind im Erwachsenen.
HÖRkulino:
Gerade Ihre Hörbücher kann die ganze Familie
hören ...
Rufus Beck:
Ja, das ist eine interessante Entwicklung: Das haben ja eigentlich
die Kinder durchgesetzt: Sie haben Harry Potter gehört
und die Eltern haben eben zwangsläufig mitgehört.
Und irgendwann haben die Eltern gesagt: Oh, das ist ja lustig
und interessant, das ist ja gar nicht so 'ne Kinderkacke!
Ab und zu mache ich zum Beispiel Lesungen zu Lemony Snicket,
was eigentlich vom Verlag als Kinderhörbuch gedacht war,
die Lesungen beginnen aber in der Regel erst nach 20.00 Uhr
und das Haus ist voll – nur mit Erwachsenen! Ich versuche
eben im wahrsten Sinne des Wortes Familienunterhaltung zu
machen.
HÖRkulino:
Sie haben selbst Kinder ...
Rufus Beck:
... und die hören und hörten alle meine Hörbücher.
Sogar John Irving – schon als 9-Jährige. Aber natürlich
nie alleine. Ich war dabei. Meine Frau hatte bei solchen Erwachsenen-Stoffen
Bedenken, aber meine Kinder dürfen praktisch alles hören.
Wir reden dann darüber und meine Erfahrung zeigt, dass
Texte, die über den Erfahrungshorizont eines Kindes hinausgehen,
sozusagen weggefiltert werden, die hören nur das, was
Sie auch verdauen können. Ich denke, Kindern kann man
generell mehr zutrauen, man muss Sie auch fordern. Große
Romane, also Erwachsenen-Literatur würden Kinder wahrscheinlich
nicht lesen und wären damit überfordert, aber hören
können Sie diese Texte, am Besten zusammen mit Erwachsenen
und so bekommen Sie sogar noch, quasi durch die Hintertür,
Erfahrung mit der Welt Literatur.
HÖRkulino:
Haben Sie als Kind Schallplatten mit Geschichten gehört?
Rufus Beck:
Das gab es damals fast gar nicht. Ich hatte nur eine Donald
Duck-Schallplatte,
die war weiß und aus Plastik, das man biegen konnte.
HÖRkulino:
Hören Sie auch selbst Hörbücher?
Rufus Beck:
Ja, sehr viel. Beim Autofahren, oder ich gehe mit meinem MP3-Player
joggen
oder spazieren. Ich bin offen für jede Art von Hörbuch.
HÖRkulino:
Sie haben auf den wichtigsten deutschen Bühnen gespielt,
ausgezeichnete Filme
gedreht – was fasziniert Sie so sehr am Medium Hörbuch?
Rufus Beck:
Es ist so vielfältig: Man kann es zu mehreren hören
und hat ein Gemeinschaftserlebnis. Man kann es zur Entspannung
hören oder bei automatisierten Abläufen –
wie beim Aufräumen oder Bügeln oder bei Gartenarbeit.
Ideal ist es beim Autofahren. Aber man darf nicht zu schnell
fahren, sonst bekommt man nichts mit. 130 km/h Maximum auf
der Autobahn ist die optimale Hörbuch-Geschwindigkeit.
Wenn Sie beim Autofahren vom Hörbuch alles mitbekommen,
dann fahren Sie garantiert nie zu schnell.
HÖRkulino:
Worauf kommt es beim Vorlesen an – insbesondere,
wenn man Kindern vorliest?
Rufus Beck:
Persönlichkeit und Authentizität ist das wichtigste.
Sie müssen wissen, was Sie erzählen und warum. Außerdem
ist es gut, wenn man ein geschultes Instrument, eine Stimme
hat. Es hilft, ist aber nicht entscheidend. Marcel Reich-Ranicki
beispielsweise hat keine gute Stimme, sogar einen leichten
Sprachfehler, aber beim Lesen seiner Biografie ist er authentisch,
er liest mit Gefühl, weil er musikalisch ist. Wer vorliest,
braucht ein Gespür für Rhythmus und Melodie.
HÖRkulino:
Ändern Sie Texte, bevor Sie sie aufnehmen?
Rufus Beck:
Ändern nicht, aber Kürzungen nehme ich schon manchmal
vor. Es gibt Passagen von Büchern, die braucht man nicht
komplett zu lesen, weil die Stimmung sowieso klar ist.
Aber die meisten Romane bleiben ungekürzt, Harry Potter
oder John Irving, um nur einige zu nennen.
HÖRkulino:
Viele, auch sehr umfangreiche Hörbücher erzählen
Sie ganz allein.
Rufus Beck:
Ja, denn es ist viel verführerischer, wenn der Erzähler
sich plötzlich in eine Figur verwandelt und dann wieder
zum Erzählen zurückkehrt. So ein Hörbuch hat
großen Charme und ermöglicht etwas, was beim Film
nicht geht, den schnellen Bruch vom Epischen zum Theatralischen,
von Beschreibung zu Dialog.
HÖRkulino:
Sie arbeiten auch gerne mit Musik ...
Rufus Beck:
Ja, sehr. Bei vielen meiner Hörbücher wird die Musik
dramaturgisch eingesetzt. Sie kann Verbindungsglied zwischen
den Kapiteln, aber auch Soundtrack sein und wird eingesetzt
wie Filmmusik. Musik oder Sounds schaffen einen emotionalen
Teppich und ergeben der reinen Bedeutung des Textes und der
Interpretation des Sprechers eine zusätzliche sinnliche
Ebene. Bei Jules Vernes Reise zum Mittelpunkt der Erde zum
Beispiel hat mein Komponist Parviz Mir-Ali mit drei Jazzmusikern
zusammengearbeitet.
HÖRkulino:
Wie kam es dazu?
Rufus Beck:
Ich habe diesen völlig unterschätzen Roman gelesen
und mir gedacht: Das ist eine aberwitzige, schillernde, surreale
Traumgeschichte und kein typischer Jules Verne-Roman. Und
dann haben wir Klangräume, Musiken, Sounds, verschiedene
Akustiken verwendet, um die unterschiedlichen Erzählstränge
darzustellen. Das Ergebnis ist toll – eben „Kino
für die Ohren“. – Es ist ein epischer Soundtrack
geworden.
HÖRkulino:
Neuerdings gibt es bei Hörbuch Hamburg die "Edition
Rufus Beck" – da haben Sie noch mehr gestalterische
Freiheit ...
Rufus Beck:
... und die nutze ich. Die "Edition Rufus Beck"
ist wie eine Krabbelkiste für mich. Das Konzept ist:
Alles, worauf ich Lust habe. Das können entweder Autoren
sein, auf die ich neugierig machen will, das können Klassiker
– Meisterwerke der Moderne, wie Irving sein, das können
Kindergeschichten sein. Wenn ich etwas spannend finde, ist
mir der Arbeitsaufwand egal. Es gibt ein paar Bücher,
die dürfen einfach nicht vergessen werden!
Herr Beck, vielen Dank für das Gespräch.
Interview: Jörg Steinleitner
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