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Interview mit Christian Heymann

Christian-Heymann-Heike-Heymann-Rienau

Geschäftsleitung: Christian Heymann, Heike Heymann-Rienau

Herr Heymann, Sie sind einer der wichtigsten Buchhändler in Norddeutschland. Warum sind Sie gerne Buchhändler?

Weil es einfach ein schöner Beruf ist, weil ich Bücher liebe, gerne lese und diese Begeisterung auch gerne weitergebe.

Wie muss eine Buchhandlung heute auftreten, um erfolgreich am Markt zu bestehen?

Genau diese Frage haben wir uns vor ein paar Jahren gestellt: Wie soll es in der Zukunft mit uns weitergehen? Wie möchten wir die nächsten 20, 30, 100 Jahre am Markt agieren? Unsere Antwort fiel klar aus: Wir müssen uns auf das besinnen, was wir wirklich können. Das ist Bücher verkaufen und aussehen wie eine Buchhandlung und nicht wie ein Gemischtwarenladen. Darauf konzentrieren wir uns jetzt.

Wie machen Sie das?

Das beginnt damit, dass Sie bei uns in die Läden kommen und gleich das Gefühl haben: Hier bin ich in einer Buchhandlung! Das geht weiter mit unseren Mitarbeitern: Die sind kompetent, die haben Spaß an der Literatur, im Umgang mit Kunden und am Verkaufen. Dazu rahmen wir das Ganze mit einem Reigen an Veranstaltungen. Wir machen also sehr viele Lesungen – von Großveranstaltungen für über 1.000 Menschen bis hin zu kleinen Lesungen. Wir machen Livekochen, wir basteln mit Kindern, wir häkeln und stricken mit unseren Kunden. Also alles, was man irgendwie machen kann und wozu es Bücher gibt, das machen wir auch live für und mit unseren Kunden. Wir wollen unsere Kunden überraschen, so nach dem Motto: „Ich gehe mal rein bei Heymann, es könnte ja was los sein! Und wenn nicht, habe ich zumindest eine schöne Buchhandlung gesehen.“

Sie haben die CI Ihrer Buchhandlung kürzlich komplett überarbeitet. Warum?

Wir wollen noch klarer für unsere Kunden erkennbar sein. Wir haben immer schon viele Werbemittel gemacht. Aber außer unserem Logo war das eigentlich alles immer komplett unterschiedlich. Und dann habe ich in der Tageszeitung einen über einen Hamburger Schlachter gelesen, der sich von einer der bekanntesten Markenagenturen in Deutschland ein neues CI und Image verpassen lassen hat. Das ist wirklich sehr schön geworden. Und da habe ich mir gedacht, wenn der sich diese Agentur leisten kann, dann haben die vielleicht auch mal Lust zu einem anderen Tarif zu arbeiten als wenn sie für die Automobilindustrie arbeiten.

Und das hat geklappt?

Ja, die waren sofort begeistert. Umsonst haben die das natürlich nicht gemacht, das war für uns noch immer viel Geld, aber sie haben es sehr gut gemacht. Innerhalb von zwei Jahren haben die uns komplett auf den Kopf gestellt. Vor allem ging es dabei um die Wiedererkennung. Das haben sie mit einem einheitlichen CI erreicht.

Außerdem spielt die Geschichte Ihrer Buchhandlung nun eine größere Rolle.

Genau. Wir sind ja seit 1928 am Markt – damals hat mein Großvater mit seinen Lieblingsbüchern eine Buchhandlung eröffnet. Deswegen heißen wir jetzt auch „Lieblingsbuchhandlung“ im Untertitel, weil wir ja mit unseren Lieblingsbüchern hantieren, genau wie seinerzeit mein Großvater. Diese Geschichte spielen wir jetzt durch alle Läden. So haben unsere Mitarbeiter etwas, was sie den Kunden verkaufen können und sie haben etwas zu erzählen. Allerdings nützt nur ein neues CI nichts – man muss auch anders gegenüber dem Kunden auftreten.  

Auf welche Bereiche hat sich dieser Relaunch ausgewirkt hat?

Ganz gleich, um was es jetzt bei uns geht – von der Homepage bis zum Geschenkpapier – haben wir jetzt immer ein einheitliches Muster. Wir haben eine neue Bildmarke gekriegt. Das sieht aus wie ein H wie Heymann, in Wirklichkeit sind das aber zwei nebeneinander liegende, aufgeschlagene Bücher. Man könnte auch sagen, das sind meine Schwester und ich, die wir die Buchhandlung führen. Der Leitsatz für das Ganze ist: von der Tradition in die Moderne. Aber ohne uns komplett zu verlieren, damit unsere langjährigen Kunden uns wiedererkennen. Die jüngeren Kunden sagen jetzt: „Hey, die sind ja gar nicht verstaubt, die sind nicht oll, sondern die sind gut drauf. Das ist cool, da geh ich mal hin, wenn ich an Bücher denke.“

Sagen Sie noch etwas zur neuen Heymann-Optik.

Dieses Muster, das wir jetzt haben, spielen wir in allen Facetten, auf jedem Plakat, auf der Rückseite unseres Briefpapiers ist es drauf, unsere Tüten sehen so aus; wir haben eigenes Geschenkpapier, das es nur bei uns gibt. Wir wollen, dass man unsere Exklusivität sieht und sagt: Das kann nur von Heymann sein. Das geht bis dahin, wie ich dem Kunden die Tüte übergebe. Dass ich die ihm reiche und sage: „In dieser schönen Tüte hast du in einer schönen Verpackung dein neues Lieblingsbuch. Vielen Dank, dass du bei uns warst, denn du bist unser Lieblingskunde.“ Mit so einem Gefühl muss der Kunde rausgehen. Insgesamt hat uns das einen wahnsinnigen Ruck durch die ganze Firma gegeben. Das macht Spaß!

Wie reagieren Ihre Kunden auf den neuen Heymann-Stil?

Sehr gut. Sie sprechen uns auf die neue Gestaltung an. Da haben wir dann etwas zu erzählen – wie das entstanden ist und was dahinter steckt. Wir haben viele Grafiker gerade hier in diesem Stadtteil, in dem ich hier sitze. Die sind reingekommen und haben gesagt: „Wow, tolles Design, wer hat denn das gemacht?“

Sie sind einer der größten Player in der norddeutschen Buchhandelslandschaft. Kann man dennoch sagen: Vor allem in Hamburg schlägt das Heymann-Herz?

Hamburg ist unsere Gründungsstadt. Da hat mein Großvater vor bald 90 Jahren die Buchhandlung gegründet. Klar, dass unser Herz für Hamburg schlägt, für die Metropolregion. Hier sind wir zu Haus. Viele unserer Kunden wissen auch, wie sehr wir uns für die Region einsetzen. Wir machen in allen Stadtteilen, in denen wir sitzen, Veranstaltungen. Wir unterstützen die Hamburger öffentlichen Bücherhallen als Hauptsponsor, wir unterstützen Mentor, die Leserlernhelfer und vieles mehr. Ich würde sagen, die soziale Verpflichtung, die wir haben, die nehmen wir auch wahr. Das kommt bei unseren Kunden natürlich sehr gut an. Um den vielen Geflüchteten zu helfen, haben wir mit Hamburger Theatern Geld gesammelt. Eigentlich wollten wir tausend Bildwörterbücher spenden – jetzt sind es 5.000 geworden. Unsere Kunden finden toll, dass wir uns da engagieren.

Welche Bedeutung hat Heymann für Hamburg?

Wir werden von der Stadt und von unserer Kulturbehörde, von unserem Senat als jemand wahrgenommen, der eine ganze Menge Kultur nach Hamburg bringt.

Sie engagieren auch beim Harbourfront Literaturfestival Hamburg.

Das Festival ist super. Wir sind da der Buchhandelspartner seit Anbeginn. Wir machen nicht nur Büchertische, sondern wir beraten dort auch, wir helfen dabei, attraktive Literaturorte zu finden. Wenn wir in der Zeit Autoren angeboten bekommen, dann machen wir die unter dem Dach des Harbourfront Literaturfestivals.

Und dann gibt es noch Ihr eigenes Krimifestival.

… das wir gemeinsam mit dem Hamburger Abendblatt und dem Literaturhaus zusammen machen. Und die größten Babys sind natürlich unsere eigenen Großveranstaltungen.

Mit der Buchwerbung der Neun, zu deren Gesellschaftern Sie zählen, verbindet Sie eine lange Partnerschaft. Was bedeutet Ihnen diese Kooperation?

Das ist eine klasse Geschichte. Wir kriegen super Werbemittel. Als Gesellschafter haben wir auch die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Mit Herrn Haller haben wir zudem einen prima Geschäftsführer. Manchmal wäre es schön, die Verlage würden sich noch mehr auf das Printprodukt als Werbemittel rückbesinnen. Momentan finden sie online alles toll, aber wie man es genau anstellen soll, wissen sie auch nicht. Wir aber machen die Erfahrung, dass Print funktioniert.

Gibt es ein Bwd9-Magazin, das Ihre Kunden besonders schätzen?

Das ist vor allem unsere eigene Hauszeitung, die ZEIT ZUM LESEN, die wir gemeinsam mit der Bwd9 machen. Dann natürlich die buchSZENE, die als Katalog für unsere Kunden immer bereitliegt und sehr gerne mitgenommen wird. Und das Hörbuch-Magazin und der Weihnachtsprospekt – das sind für uns die wichtigsten Werbemittel.

Die Buchwerbung der Neun lädt auch andere Buchhändler dazu ein, die Kampagnen im vorliegenden Planer zu teilen. Warum lohnt sich das für Ihre Buchhändlerkollegen?

Weil es professionell durchgeführte Kampagnen sind. Wenn man die in seinen Läden umsetzt, dann kann man damit langfristig gute Umsätze erzielen. Man bekommt schöne, professionell gemachte Werbemittel für seine Kunden. Das ist wesentlich besser als die selbstgestrickten Handzettel, die manch einer so herumliegen hat. Gerade als kleinerer Buchhändler bekommt man so Sachen, die man sonst nicht gar nicht stemmen könnte. Und dadurch, dass man die Werbemittel individualisieren kann, sehen sie dann auch aus wie aus dem eigenen Haus.

Interview: Jörg Steinleitner